Stiftung Perspektiven
Wege für Menschen mit Krebs

FAQ's: Was unsere Leser und Zuhörer häufig fragen

Hier haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten aus den letzten Monaten zusammengestellt, die uns per Mail oder während der Vorträge, Workshops oder Online-Seminare gestellt wurden.

Diese Sammlung wird regelmäßig erweitert. Es lohnt sich also, immer mal wieder vorbei zu schauen.

Vielen Dank für ihr Interesse!

Was kann man gegen Kribbeln in den Finger- und Fußspitzen tun?

Kribbeln in den Finger- und Fußspitzen kann unterschiedliche Ursachen haben. Häufig handelt es sich um ein Zeichen der sogenannten Polyneuropathie. Dies ist eine Störung der kleinen, für das Tastempfinden zuständige Nerven. Dadurch ist häufig auch das Tastempfinden gestört. Manchmal ist es sogar schmerzhaft, etwas zu berühren. Solch eine Polyneuropathie kann durch Tumormedikamente ausgelöst werden, kommt aber auch bei Diabetes u.a. Erkrankungen vor. Deshalb ist es erst einmal wichtig, mit dem Arzt zu klären, was die Ursache bei einem selber ist. Medikamente, die diese Polyneuropathie häufig machen, sind z.B. die Chemotherapie-Medikamente Oxaliplatin, Paclitaxel und Docetaxel, aber auch zielgerichtete Medikamente wie Bortezomib.

Das Wichtigste zur Vermeidung oder Verminderung der Polyneuropathie ist regelmäßiges sogenanntes Sensomotoriktraining, also Geschicklichkeits- und Beweglichkeitsübungen mit Händen und Füßen. Erste Studienergebnisse sprechen dafür, dass auch das Training auf sogenannten Vibrationsplatten hilfreich sein kann. Dies kann man, wenn man solche Medikamente bekommt, prophylaktisch tun, aber auch bereits wenn die Schädigung bereits eingesetzt hat. Wichtig ist es, den Arzt auf jeden Fall zu informieren, wenn solche Beschwerden einsetzen. Evtl. muss auch überlegt werden, ob man die Tumortherapie verändern kann.

Sollte eine andere Krankheit vorliegen, die die Nerven schädigen kann wie z.B. Diabetes oder auch ein Vitamin B-Mangel, dann ist es wichtig, diese Störung möglichst gut zu behandeln, also z.B. den Zucker gut einzustellen. Vitamin B zu geben, ohne dass ein Mangel vorliegt, ist aber nicht hilfreich.

Was halten Sie von der Hyperthermie gegen Krebs?

Unter dem Begriff Hyperthermie werden verschiedene Therapien zusammengefasst. Hyperthermie heißt Therapie mit Wärme.

In der Krebsbehandlung gibt es Formen der Hyperthermie, die wissenschaftlich gut erforscht sind und in Deutschland an wenigen Zentren für ganz spezielle Krankheitssituationen angeboten werden, da die Wirksamkeit nur in diesen Situationen gezeigt werden konnte.

Die Ganzkörperhyperthermie, die einige Zentren anbieten, hat sich in Studien bisher nicht bewährt. Dies gilt sowohl für die sogenannte moderate Ganzkörperhyperthermie mit ca. 39 Grad also auch Ganzkörperhyperthermie mit noch höheren Temperaturen. Letzteres kann sogar gefährlich sein.

Im Gegensatz zur Ganzkörperhyperthermie wird in der sogenannten regionalen Hyperthermie nur ein Teil des Körpers erwärmt. Dabei unterscheiden wir verschiedene Methoden. In den wissenschaftlichen Zentren werden Methoden eingesetzt, die nachweislich die erforderliche Temperatur von ca. 42 Grad Celsius erreichen. Bei dieser Temperatur verstärkt sich die Wirkung von Chemo- oder Strahlentherapie bei einigen Krebsarten. Deshalb wird diese Form der Hyperthermie in Kombination mit einer Chemo- oder Strahlentherapie durchgeführt.

Für die in einigen Zentren angebotene sogenannte Elektro-Hyperthermie oder OncoThermie liegen bisher keine Beweise für eine Wirksamkeit beim Menschen vor.

Es ist also für Patienten sehr wichtig, sich bei der Hyperthermie genau zu informieren.

Wenn man während einer Chemotherapie Finger und Zehen kühlt und die Chemomittel dadurch nicht in diese Körperregionen gelangen, können sich in den Regionen Krebszellen befinden, die dann nicht behandelt werden?

Metastasen in den Fingern und Zehen sind sehr selten. Deshalb ist das Kühlen in der Regel ohne Gefahr, dass sich die Wirkung vermindert, möglich. Ob und wenn ja wie gut das Kühlen hilft, ist noch umstritten. Hilfreich scheint es vor allen Dingen zum Schutz der Finger- und Zehennägel zu sein, deshalb kommt es bei den Medikamenten in Frage, die diese stark schädigen können.

Man muss aber aufpassen. Es gibt auch Medikamente, wie z.B. das Oxaliplatin, bei dem man auf keinen Fall kühlen sollte, weil sich dann die Polyneuropathie  - also die Schädigung der Tastnerven - verstärken kann.

Ich bekomme eine Spritze für die weißen Blutkörperchen während der Chemozyklen, das wäre also medizinische Immunstimulanzien?

Es gibt verschiedene Medikamente, die die Bildung der weißen Blutkörperchen unterstützen. Ziel ist, die z.B. durch Chemotherapiemittel verminderte Bildung der weißen Blutkörperchen wieder anzuregen. Insofern handelt es sich um natürliche Immunstimulanzien. Damit werden diese neu gebildeten Immunzellen aber nicht gegen den Tumor gerichtet (das machen die modernen Immuntherapien), sondern sie werden nur bereitgestellt, damit der Körper sich gegen Infektionen schützen kann.

Was ist ein Phytoöstrogen?

Phytoöstrogene sind sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe, also kleine Moleküle in Pflanzen, die eine östrogenartige Wirkung im menschlichen Körper haben. Hierzu gehören z.B. bestimmte Moleküle in Soja, aber auch Leinsamen, Roggen und vielen anderen Pflanzen.

Phytoöstrogene sind grundsätzlich gesund.

Es gibt eine intensive Diskussion, ob Frauen mit Brustkrebs Phytoöstrogene in der Ernährung zu sich nehmen dürfen oder sollen. Nach allen bisherigen Erkenntnissen ist der Genuss von Leinsamen, Roggen etc. zu befürworten. Keinesfalls ist er schädlich bei Brustkrebs.

Phytoöstrogene, die hoch dosiert als Extrakt, in Tabletten- oder Kapselform eingenommen werden, sind bei hormonabhängigem Brustkrebs nicht empfehlenswert Sie sollen gegen Wechseljahresbeschwerden helfen und stammen z.B. aus Soja oder Rotklee. Diese hohen Dosierungen können möglicherweise das Wachstum der Tumorzellen verstärken. Der Genuss von normalen Mengen von Sojaprodukten ist aber unproblematisch.

Hormonsensibler Brustkrebs: Was kann man gegen Hitzewallungen und Schweißausbrüche aufgrund der antihormonellen Therapie empfehlen?

Gegen Hitzewallungen und Schweißausbrüche kann man einen Versuch mit der Traubensilberkerze machen. Hier gibt es von verschiedenen Firmen gut dosierte pflanzliche Präparate. Homöopathische Präparate sind dagegen nicht empfehlenswert, da von der pflanzlichen Substanz kaum etwas enthalten ist. Traubensilberkerze wirkt etwas stärker als alleinige Placebo-Gaben. Für einige Frauen ist dies eine deutliche Erleichterung.

Außerdem wissen wir, dass Frauen, die sportlich sind und regelmäßig Sport treiben weniger unter den Wechseljahresbeschwerden leiden.

Möglicherweise hilft der vorsichtige Einsatz von Magnesium gegen Hitzewallungen. Hierzu ist die Studienlage aber noch unzureichend.

Wenn dies nicht ausreicht und die Hitzewallungen sehr stark sind, sollte man mit seinem Arzt darüber reden, ob man einen Versuch machen kann, die antihormonelle Therapie zu wechseln. Grundsätzlich sind die verschiedenen antihormonellen Medikamente, die es gibt, relativ ähnlich wirksam, aber die Ausprägung der Nebenwirkung kann bei der einzelnen Frau sehr unterschiedlich sein.

Falls dies nicht geht oder nicht hilft, sollte man mit dem Arzt auch besprechen, dass es schulmedizinische Medikamente gegen Hitzewallungen gibt, falls diese anhalten und sehr störend sind.

Könnten Sie etwas über Einsatz von Weihrauch beim Glioblastom sagen?

Weihrauch als Extrakt hat eine abschwellende Wirkung. Um einen Tumor wie ein Glioblastom herum, aber auch um Hirnmetastasen bildet sich häufig ein Ödem. Das ist eine Wassereinlagerung durch eine Entzündung. Weihrauch kann möglicherweise diese Entzündung hemmen. Leider gibt es aber keine größere gut gemachte Studie, die dies untersucht hat. Auf keinen Fall darf man eine laufende Kortisontherapie gegn das Ödem plötzlich absetzen und anstelle dessen Weihrauch einnehmen. Wenn man Weihrauch einnehmen möchte, sollte man folgendes beachten:

• unbedingt mit dem Arzt absprechen und mit ihm klären, ob die Einnahme möglich ist, oder ob es Wechselwirkungen z.:B während der Krebstherapie geben könnte

• eine ausreichende Dosis wählen und langsam steigern

• Weihrauch ist relativ teuer, man sollte mit seinem Apotheker klären, ob er ein relativ günstiges, aber gutes Präparat besorgen kann.

Mehr über Weihrauch finden Sie in unserem Faktenblatt zu Weihrauch im Wissensportal der Stiftung Perspektiven.

Wie ist Ihre Meinung zum Germanium?

Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die eine positive Wirksamkeit von Germanium bei Krebserkrankung bei Menschen nachweisen. Deshalb rate ich davon ab.

Wie ist Ihre Meinung zu Enzympräparaten?

Es gibt Hinweise, dass Enzympräparate z.B. aus pflanzlichen Enzymen wie Bromelain aus der Ananas, aber auch Mischungen aus Bromelain und den tierischen Enzymen Trypsin und Chymotrypsin entzündungshemmend sind. So werden sie auch in der Sportmedizin eingesetzt. Dies kann möglicherweise bei Muskel- und Gelenkbeschwerden unter der Tumortherapie helfen. Leider sind die Studien noch nicht ausreichend. Ob es auch gegen andere Nebenwirkungen der Krebstherapie helfen kann, wissen wir nicht.

In einigen Präparaten sind nicht nur Enzyme, sondern auch ein Linsenlektin und Selen enthalten. Wir wissen nicht, ob das Linsenlektin eine eigenständige Bedeutung hat.

Der Selengehalt in den aktuell verfügbaren Mischpräparaten ist sehr hoch. Wenn dies regelmäßig eingenommen wird, so kommt es zu einer deutlich zu hohen Zufuhr von Selen. Zu viel Selen ist für den Körper schädlich und hat einen negativen Einfluss bei Krebs. Aus diesem Grund ist die Einnahme dieser Mischpräparate nicht zu empfehlen. Patientinnen, die einen Versuch mit einem Enzympräparat machen möchten, sollten mit ihrem Arzt sprechen wegen möglicher Wechselwirkungen. Wenn es dort grünes Licht gibt, kann man einen Versuch machen. Beachten sollte man, dass die Enzympräparate teuer sind. Deshalb sollte bei Muskel- und Gelenkbeschwerden zuerst ein Versuch mit Krankengymnastik und Sporttherapie gemacht werden.

Wie ist die Studienlage für Heilfasten zur besseren Verträglichkeit und besseren Wirksamkeit der Chemotherapie? Und hat auch schon Intervallfasten Auswirkungen (16/8-Modell).

Zum Heilfasten gibt es bisher nur Fallberichte und kleine Fallserien sowie eine sehr kleine Studie, die keinesfalls ausreichend ist, um eine Wirksamkeit zu belegen. Im Gegenteil. Das Fasten über 3 Tage um die Chemotherapie herum birgt die hohe Gefahr eines Gewichtsverlustes und einer Mangelernährung, die man zwischen den Therapiezyklen nicht so einfach aufholen kann.

Auch zum Intervallfasten gibt es keine Studien, die die Wirksamkeit nachweisen. Insbesondere wenn Patienten dazu neigen, Gewicht zu verlieren, sind mehrere Kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt wichtig.

Wie sieht es mit Schüssler Salze aus?

Für die Anwendung von Schüssler Salzen gibt es weder eine naturwissenschaftliche Vermutung, wie sie wirken könnten, noch den Beweis der Wirksamkeit. Es handelt sich um eine Placebo-Behandlung.

Wie kann man trockene Mundschleimhaut bekämpfen?

Manchmal hilft es, mehr zu trinken und auch darauf zu achten, dass man bei den Mahlzeiten ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt und z.B. auch ausreichend Soße verwendet. Gegen die trockene Mundschleimhaut kann, wenn die Speicheldrüsenfunktion gut ist, auch so etwas wie Kaugummi kauen und Vergleichbares helfen. Achtung mit Zuckerhaltigem wegen der Kariesgefahr

Einige Patienten berichten, dass das Ausspülen des Mundes und zwischen den Zähnen durchziehen mit Öl, für sie angenehm ist, obwohl es die ersten Male gewöhnungsbedürftig ist. Hierfür kann man ein einfaches Speiseöl aus der Küche nehmen.

Es gibt auch Präparate mit sogenannten künstlichem Speichel, die man probieren kann.

Wie ist es mit Kurkumawurzel?

Das Gewürz Kurkuma enthält sekundäre Pflanzenstoffe u.a. das sogenannte Kurkumin (oder Curcumin). Dieses hat eine ganze Reihe gesundheitlich positiver Wirkungen wie auch viele andere sekundäre Pflanzenstoffe. Ob das Kurkumin für Krebspatienten besser ist, als andere sekundäre Pflanzenstoffe, wissen wir nicht. Es gibt ganz wenige Studien mit Kurkumin bei Patienten. Keine von ihnen zeigt bisher, ob Kurkumin eine günstige Wirkung bei Krebs hat.

Kurkuma kann man gerne als Gewürz verwenden, wenn man den Geschmack mag, ansonsten lieber andere Gewürze, die auch viele sekundäre Pflanzenstoffe haben.

Von höher dosiertem Kurkumaextrakt ist abzuraten, da es ein starkes Antioxidans ist und es dadurch zu Wechselwirkungen mit der Krebstherapie kommen kann.

Hochdosiert kann Kurkuma auch Oberbauchbeschwerden machen.

Welche Rolle spielt Zucker als "Treibstoff" für Krebs (Zell)Wachstum?

Krebszellen verstoffwechseln gerne Zucker wie die meisten Zellen im menschlichen Körper. Sehr viel Zucker zu essen ist aus einer ganzen Reihe von Gründen nicht gesund. Kohlenhydrate komplett wegzulassen, macht aber keinen Sinn, da gesunde Kohlenhydrate gibt, z.B. Vollkornprodukte, Gemüse, Salat und Obst wegen der vielen Vitamine, sekundären Pflanzenstoffe und Ballaststoffe für den Körper wichtig sind.

Welche Rolle spielt Milch als "Treibstoff" für Krebs (Zell)Wachstum?

Milch ist kein Treibstoff für das Wachstum von Krebs. Das gilt für Brustkrebs wie auch für andere Krebsarten. Milch und Milchprodukte sind gesunde Nahrungsmittel, die den Körper mit vielen wichtigen Nährstoffen versorgen. Sehr fetthaltige Milchprodukte, insbes. sehr fetthaltiger Käse, sollten nur in Maßen genossen werden.

Was halten Sie von Misteltherapie bei Hirntumore?

Von dem Einsatz der Misteltherapie wird bei Hirntumoren abgeraten. Dies gilt auch für Hirnmetastasen. Um solche Tumore und Metastasen bildet sich häufig eine Entzündung und damit eine Schwellung, die zu einer Schädigung der Gehirnfunktion führen kann. Es ist nicht auszuschließen, dass durch die Misteltherapie dieser Entzündungsprozess verstärkt wird und damit die Symptome stärker werden können.

Ich leide unter Muskelkrämpfe, darf ich Magnesium zusätzlich nehmen?

Bei Muskelkrämpfen, die durch einen Magnesiummangel ausgelöst werden, kann Magnesium helfen. Sie sollten es kurz mit Ihrem Arzt abstimmen, ob etwas dagegenspricht. Aber dann dürfen Sie gerne einen Versuch machen. Wenn Sie eine zu große Menge einnehmen, müssen Sie mit Durchfällen rechnen.

Wie verhält es sich mit der Misteltherapie als unterstützende Behandlungsmethode zu Chemotherapien?

Es gibt zwar eine ganze Reihe Studien, in denen die Misteltherapie während oder nach Chemotherapien eingesetzt wurden. Keine dieser Studien beweist aber einen Vorteil durch die Misteltherapie.

Wie verhält es sich mit der Hyperthermie als unterstützende Behandlungsmethode zu Chemotherapien?

Bitte beachten Sie, dass unter dem Begriff Hyperthermie sehr verschiedene Therapien angeboten werden. Sehr hohe Temperaturen können Krebszellen direkt abtöten – das ist aber in der Therapie nur sehr selten nutzbar, weil Hitze auch für die umliegenden gesunden Zellen schädlich ist.

Temperaturen um 42 Grad Celsius können die Wirksamkeit von Chemo- oder Strahlentherapien bei manchen Tumorarten verstärken. Eine Ganzkörperhyperthermie mit 42 Grad ist aber bisher in keiner Studie mit einem positiven Ergebnis getestet worden.

Regionale Überwärmungen auf 42 Grad können mit bestimmten Techniken erreicht werden. Es gibt eine Studie, die zeigt, dass bei Sarkomen, dies ist eine ganz besondere Art von Krebs, eine gezielte Hyperthermie, die sicher ca. 42 Grad im Bereich des Tumors erreicht, die Wirksamkeit einer Chemotherapie verstärken kann. Ähnliche Ergebnisse gibt es für die erneute Bestrahlung bei Brust- oder gebärmutterhalskrebs und für die Radiochemotherapie bei Enddarmkrebs. Allerdings ist es bei diesen Krebsarten noch unklar, welche Patienten davon profitieren. Diese Form der Hyperthermie wird in Deutschland nur an wenigen Universitäten angeboten.

Für die häufig angebotene sogenannte Oncothermie oder Elektrohyperthermie wurde bisher kein Beweis erbracht, dass sie die erforderlichen Temperaturen erreicht.

Viele Patienten fragen nach CBD- oder anderen Cannabis-Produkten.

Es gibt ganz wenig Studien mit Patienten mit einer Tumorerkrankung, bei denen Cannabis-Präparate eingesetzt worden sind. Die bisher gezeigten Effekte sind allenfalls schwach.

Beunruhigend ist eine Studie, bei der man die Ergebnisse der Behandlung von Patienten unter einer Immuntherapie ausgewertet hat. Hier hat man Patienten, die ein Cannabis-Präparat eingenommen haben, verglichen mit Patienten, die dies parallel nicht gemacht haben, und hat gesehen, dass die Patienten mit den Cannabis-Präparaten ein deutlich schlechteres Therapieergebnis hatten. Auch diese Studie ist noch kein sicheres Ergebnis, aber sie gibt einen Warnhinweis, dass Cannabis vielleicht mehr schaden kann, als viele Patienten glauben. Da der Nutzen eher fraglich ist, wäre ich zumindest während der Tumorbehandlungen sehr zurückhaltend.

Hilft Methadon bei manchen Krebsarten?

Methadon ist bisher nicht in größeren Studien überprüft worden. Es liegen keine wissenschaftlichen Daten vor, die eine Wirksamkeit von Methadon bei Krebs bei Menschen nachweisen.

Sind Schwarzkümmel- oder Traubenkernöl bei Krebs nützlich?

Öle, die viele Omega-3-Fettsäuren enthalten, sind grundsätzlich nützlich. Ob hier Schwarzkümmel- und/oder Traubenkernöl besonders günstig ist, wissen wir nicht. Es ist sinnvoll, die Ölsorten zu verwenden, die schmecken und die auch finanziell in einem Rahmen liegen, den man sich gut leisten kann. Besonders reich an Omega-3-Fettsäuren sind Rapsöl und Leinöl.

Ich interessiere mich für meinen Spiegel an Mikronährstoffen. Wann sollte er bestimmt werden?

Bei einer ausgewogenen Ernährung sind praktisch alle Mikronährstoffe ausreichend in der Ernährung vorhanden. Spiegelmessungen zu machen ist deshalb bei Patienten, die sich normal Ernährung können, nicht sinnvoll.

Ausnahme ist der Vitamin-D-Spiegel, der bei ca. einem Viertel bis einem Drittel der Deutschen erniedrigt ist. Hier ist eine Messung sinnvoll. Das liegt daran, dass Vitamin D nur in ganz geringen Mengen über die Ernährung aufgenommen wird und die Vorstufe in der Haut unter UV-Licht aktiviert werden muss. Vor UV-Licht schützen wir uns aber, um Hautkrebs zu vermeiden.

Bei manchen Menschen ist auch der Selenspiegel erniedrigt. Hier kann im Zweifelsfall eine Messung sinnvoll sein.

Wenn es Hinweise auf weitere Mangelerscheinungen gibt, wie z.B. ein Vitamin-B12-Mangel, dann sollte eine gezielte Bestimmung erfolgen. Dies sollte mit dem Arzt besprochen werden.

Was sind die guten Kohlenhydrate?

Zu den guten Kohlenhydraten zählen Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Salat. Sie enthalten viele Vitamine, Spurenelemente, sekundäre Pflanzenstoffe und wichtige Ballaststoffe.

Eine Frage zur Ernährung bei Antihormontherapie und den Begleiterscheinungen wie Arthrose/ Gelenkentzündung in den Fingergelenken. Empfohlen wurde Bromelain als Medikament, aber kann man in der Ernährung noch etwas tun?

Es gibt Hinweise, dass die auch in der Sportmedizin eingesetzten Enzyme, wie das Bromelain, hilfreich sein können. Sie sind allerdings relativ teuer und die Kosten werden in der Regel von den Krankenkassen nicht übernommen.

Wichtig sind regelmäßige Gymnastik und Bewegung der Gelenke. Ggf. sollte man sich am Anfang auch einen guten Krankengymnasten suchen.

In der Ernährung können möglicherweise die Omega-3-Fettsäuren helfen. Sie sind natürliche Entzündungshemmer und kommen z.B. in pflanzlichen Ölen, Fisch, Nüssen und Mandeln vor.

Sollte man bei hormonabhängigen Krebsarten auf Milchprodukte verzichten?

Bei hormonabhängigen Krebs muss man auf Milch und Milchprodukte nicht verzichten.

Sind getrocknete Aprikosenkerne überhaupt nützlich?

Nein. Getrocknete Aprikosenkerne enthalten Amygdalin. Dies wird in der Alternativmedizin manchmal auch als Vitamin B17 bezeichnet. Diese Substanz setzt Blausäure frei und ist deshalb hoch giftig. Es gibt keinen Beweis, dass getrocknete Aprikosenkerne, Amygdalin oder Vitamin B17 bei Krebserkrankungen hilfreich sind. Im Gegenteil, es kann zu schweren Vergiftungszuständen kommen.

Könnten Sie kurz etwas zum Vitamin E sagen? m.E. hat es keinen Vorteil?

Vitamin E ist ausreichend in der Ernährung vorhanden. Die Einnahme von höher dosierten Präparaten bringt keinen Vorteil. Vitamin E ist ein Antioxidans und es gibt Hinweise, dass Antioxidantien die Wirksamkeit von Chemo- oder Strahlentherapien, vielleicht auch von anderen Tumortherapien, abschwächen können. Deshalb hat die Einnahme keinen Vorteil.

„Heilerde“ - hat sie Wechselwirkungen?

Heilerde kann manchen Patienten bei Durchfällen helfen. Allerdings bindet Heilerde im Darm Medikamente an sich, so dass sie nicht in den Körper aufgenommen werden können und deshalb die Wirkung abgeschwächt werden kann. Deshalb sollte man Heilerde nicht einnehmen, wenn man auch Medikamente einnimmt.

Ich habe von einer Pflanze Artemisia (einjähriger Beifuß) gehört, die Krebszellen im Körper zerstört.

Im Reagenzglas gibt es Untersuchungen, dass Inhaltsstufe von einjährigem Beifuß das Wachstum von Krebszellen hemmen können. Auch erste Mausexperimente bestätigen das. Hierbei wurden aber sehr hohe Dosierungen eingesetzt, die weitaus höher sind, als sie der Malaria-Therapie entspricht. Es gibt keine Untersuchungen, ob diese hohen Dosierungen überhaupt beim Menschen eingesetzt werden können oder ob es dann zu schweren Nebenwirkungen kommt. Bisher gibt es keine Studie, bei der Artemesia bei Patienten mit einer Krebserkrankung einen Vorteil gebracht hat.

Artemesia hat Nebenwirkungen. U.a. kann es zu Schädigungen von Nervenzellen kommen.

Muss man zur besseren Aufnahme von Vitamin D gleichzeitig auch Vitamin K2 nehmen?

Wenn man Vitamin D einnimmt, ist eine Kombination mit Vitamin K2 nicht notwendig. Patienten, die bestimmte Blut verdünnende Mittel einsetzen, müssen sogar mit Vitamin K2 vorsichtig sein.

Wie ist Ihre Meinung zu Anthocyanen?

Anthocyane sind sehr gesunde sekundäre Pflanzenstoffe. Man kann sie aber sehr gut über Obst, Gemüse und Salate zu sich nehmen. Aus meiner Sicht machen teure Nahrungsergänzungsmittel hier keinen Sinn.

Gibt es eine Alternative zu Omega-3-Fettsäuren, wenn man keinen Fisch essen kann? Was halten Sie von Kapsel?

Neben Fisch enthalten auch pflanzliche Öle, insbesondere Leinöl oder Rapsöl, aber auch Nüsse, Mandeln und Produkte, die daraus hergestellt werden, viele Omega-3-Fettsäuren. Grundsätzlich kann man auch Kapseln einnehmen. Sie sind allerdings teurer, relativ groß und manche Menschen haben danach das Problem, dass sie ein Aufstoßen mit einem fischigen Geschmack haben. Allerdings gibt es auch magensaftresistente Kapseln, wenn es mit der Ernährung alleine nicht geht.

Ich habe gelesen, dass während der Chemo die Kühlung der Hände und des Kopfes die Nebenwirkungen lindern kann. Was halten Sie davon?

Bei manchen Krebsmedikamenten kann es zu einer Schädigung der Haarwurzeln kommen – dann fallen die Haare aus. Manche Krebsmedikamente schädigen auf die Finger- und Zehennägel. Es gibt Hinweise, dass dies durch eine Kühlung vermindert werden kann, weil dann die Haut dort weniger stark durchblutet ist und weniger Krebsmedikament an diese Stellen kommen.

Man muss auch keine Angst haben, dass dann dort das Risiko für Metastasen dort erhöht ist, da Metastasen an den Fingern, Zehen selten sind. An der Kopfhaut können sie aber vorkommen und man sollte das Kühlen mit dem Arzt besprechen um das individuelle Risiko abzuschätzen.

Bei manchen Krebsmedikamenten ist Kälte ungünstig, weil es z.B. eine Polyneuropathie, also eine Schädigung des Tastempfindens vermindern kann.